Rundbrief Mai 2022

Wir laden Sie ein in den neusten Rundbrief von Voz do Cerrado einzutauchen. 

Zudem finden sie hier den im Rundbrief erwähnten Artikel von Laura de Carli Santiago, Schülerin im 3. Jahr an der Escola Família Agrícola de Veredinha (EFAV).

Im Jahr 2021 brach Brasilien einen Rekord bei der Freigabe des Einsatzes neuer Pestizide. Nach Daten, die von der Online-Zeitung Brasil247 analysiert wurden, ist die Zahl der Zulassungen seit 2016 sehr schnell gestiegen und hat im Jahr 2021 die Marke von 550 neuen Pestiziden erreicht. In dem Zusammenhang gibt es ein neues Gesetz (PL) 6299/2002, das neue Flexibilisierungsregeln für die Zulassung von Pestiziden schafft. Im Februar 2022 wurde der Gesetzentwurf vom Repräsentantenhaus verabschiedet und wird nun im brasilianischen Senat diskutiert. Dieser Gesetzesentwurf spaltet die Meinungen in Brasilien: rechte Parteien und die Agrarindustrie sprechen vom "Gesetz der sicheren Lebensmittel", linke Parteien und soziale Organisationen/Bewegungen vom "Gift-Gesetz".

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In den letzten Jahren hat Brasilien komplexe Veränderungen im Landwirtschafts- und Viehzuchtsektor erlebt. Die von der Regierung Bolsonaro ergriffenen Massnahmen entsprechen bisher nicht der sozialen Verantwortung für die Ernährungssicherheit, für die Erhaltung der Natur und für den Schutz der bäuerlichen, indigenen und afrobrasilianischen Völker und ihren Gebieten. Der Vormarsch von Ideologien ist spürbar, die eine noch härtere Form des Kapitalismus predigen, die auf wirtschaftliche Entwicklung um jeden Preis abzielt und das Leben der Menschen und der Natur ausbeutet.

Zwischen diesen Konflikten kann eine Verbindung hergestellt werden. Die neu zugelassenen Pestizide und die Konsolidierung von Gesetzen, welche die Regulierung des Einsatzes von Pestiziden lockern, widerspiegeln eine Vorstellung von technologischem Fortschritt für die ländlichen Gebiete, verbergen aber den Tod, der mit dem Verkauf von kontaminierten Lebensmitteln, der Zerstörung der Natur und der Invasion in die von kleinbäuerlichen, indigenen und afrobrasilianischen Gemeinschaften bewohnten Gebiete einhergeht. Eine Orchestrierung von Faktoren, die zusammen eine tragische Melodie der ländlichen Realität Brasiliens erklingen lassen.

Auf der anderen Seite gibt es bäuerlichen Widerstand, der sich in zahlreichen Auseinandersetzungen, gegen die von der derzeitigen Regierung beschlossenen Massnahmen wehrt. Ein Beispiel ist die „Kampagne gegen Pestizide und für das Leben“, an der unter anderem die brasilianische Vereinigung für Agrarökologie (ANA), die Bewegung der landlosen Landarbeiter (MST) und die landwirtschaftliche Familienschule von Veredinha (EFAV) beteiligt sind. Die Aktion der ländlichen Schulen gegen den Einsatz von Pestiziden und zur Verteidigung des Lebens trägt auf höchst wirkungsvolle Weise zur Veränderung dieses Todesszenarios bei. Denn die von den Grundsätzen der ländlichen Bildung geleitete Institution, die den Söhnen und Töchtern der bäuerlichen Familien in den EFAs angeboten wird, ist ein Samen des Lebens, der in fruchtbaren Boden gepflanzt wird.

Laura de Carli Santiago, Schülerin im 3. Jahr an der Escola Família Agrícola de Veredinha (EFAV).